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  • Amberger Walzenkrüge, Fayence, Scharffeuerfarben, Marke AB, um 1780
    Deckblatt eines Warenkatalogs der Steingutfabrik Amberg, 1905

    Amberger Fayencen und Steingutwaren

    Einzigartige Sondersammlung

    1759 erhält Simon Hezendörfer die kurfürstliche Konzession zur Errichtung einer Fayencemanufaktur. Der Betrieb wird in einem Gartenhaus vor dem Ziegeltor eingerichtet. Um 1790/95 stellt man die Produktion von Fayence- auf Steingutwaren um. In Amberg dürften somit die ersten Geschirre aus Steingut in der Oberpfalz entstanden sein.

    1843 kauft sich Eduard Kick als Teilhaber in das Unternehmen ein, das er drei Jahre später ganz übernimmt. Die Firma erlebt ihre größte Blüte in den Jahren 1850-80. Nachdem Kick 1880 kinderlos stirbt, geht die Fabrik über an seinen Schwager Wenzeslaus Rasel, später an dessen Söhne. Gegen die Konkurrenz von Porzellan und Emailwaren können sich die Steingutprodukte zu Beginn des 20. Jhs. nicht mehr behaupten. Die Steingutfabrik wird 1911 geschlossen.

    Im ersten Teil der Abteilung kann man die Erzeugnisse aus der Fayencemanufaktur aus der Zeit 1759-1790 bewundern. Ausgestellt sind eine große Sammlung an Walzenkrügen, aber auch besonders seltene Objekte wie eine Doppelhenkelvase, mehrere Kännchen, Körbchen, Terrinen und ein 1777 datiertes Tintenzeug. Alle Objekte sind aus Fayence, Bemalung mit bunten Scharffeuerfarben auf weißer Glasur, z. T. Zinnmontierungen, gemalte Fabrikmarke AB auf Glasurfleck am Boden des Gefäßes.

    Der Bereich Steingut wird eröffnet mit einer Festtafel, die mit einem kompletten, aus 72 Teilen bestehenden Speiseservice aus der Zeit um 1850 gedeckt ist. Mit braunem Umdruckdekor und Goldmalerei geschmückt schaut es besonders prunkvoll aus. Dabei handelt es sich um das einzige bekannte und vollständig erhaltene Speiseservice dieser Art aus der Amberger Produktion.

    Im Folgenden geht es um den wichtigsten Rohstoff zur Herstellung von Steingut und Porzellan, das Kaolin. Das als "Gold der Oberpfalz" bezeichnete Kaolin wird auch heute noch wie vor 150 Jahren im Abbaugebiet Schnaittenbach gefördert. Die Herstellung von Steingutgeschirren, Verziertechniken und die kunstgeschichtliche Entwicklung von Form und Dekor der Steingutwaren werden danach erläutert.

    Jahrhundertlang kennt man bei Keramik neben plastischem Dekor nur die Handmalerei. Mitte des 18. Jhs., kurz nach der Entwicklung des Steingutes, wird in England ein neues Dekorationsverfahren gefunden, das mechanische "transfer printing" (= Umdruck). Bei dieser Technik bildet die gravierte Kupfer- oder Stahlplatte die Grundlage. Die Zeichnung wird über einen Papierabdruck in noch feuchtem Zustand auf das Geschirr übertragen. Umdruck ist in der Herstellung wesentlich billiger und zeitsparender als Handmalerei. Robert Hancock (1727-1817) wendet den Umdruck in England das erste Mal 1753 auf kleinen Emailgegenständen an. Man erkennt bald, dass sich der Umdruck besonders gut als Dekortechnik für Feinkeramik eignet. Über Frankreich kommt er um 1820 in den deutschsprachigen Raum. Es werden die Arbeitsschritte des Umdruckverfahrens vorgeführt. Zahlreiche Objekte zeigen die Vielfalt der Bildmotive, die besonders um 1830-1880 angeboten werden.

    Sehr verbreitet sind Ansichten bekannter deutscher Orte und Bäder, aber auch ausländischer Städte wie Florenz und Rom. Beliebt sind darüber hinaus Genreszenen (= Szene, in denen handelnde Personen gezeigt werden).

    Zur Darstellung kommen Ereignisse aus dem Volksleben, der Soldatenzeit, Episoden von der Jagd oder vom Karneval. Unmittelbares Zeitgeschehen erscheint selten. Bis um 1850 sind die Amberger Teller ausschließlich schwarz bedruckt, später gibt es die Bordüre oftmals in Hellblau, Violett, Rosa oder Blau. Das Bild im Spiegel bleibt schwarz.

    In einem erhaltenen Warenkatalog von 1894 kann man sich über die Produktionsfülle der Firma informieren. Es sind 340 Artikel in alphabetischer Reihenfolge mit Warenbezeichnung, Preisangabe und Dekormöglichkeiten aufgelistet. Im Angebot sind einfache Gebrauchsgegenstände, von der Bettpfanne bis zum Weihwasserkessel, Nippeswaren wie Vasen, Körbchen oder Dessertteller, bis zu den Ess-, Kaffee-, Tee- und Waschgeschirren aus hochwertigem Steingut.

    Sehr beliebt scheinen um 1850-70 die Tee- und Kaffeegeschirre in Neu-Rokokoform mit dem blauen bzw. braunen Blumen-Vogel-Dekor mit dem Namen "Bryonia" gewesen zu sein. Eine Inszenierung mit gedeckter Kaffeetafel im bürgerlichen Wohnzimmer zeigt die Verwendung dieser Geschirre.

    Sehr seltene Stücke aus der Steingutfabrik konnten in den letzen Jahren für das Museum erworben werden. Es handelt sich um figürliche Erzeugnisse, die in geringer Zahl in Amberg um 1850-1900 hergestellt wurden.

    Mitte des 19. Jhs. erwirbt Eduard Kick für die Amberger Steingutfabrik Figurenhohlformen des 18. Jhs. aus der renomierten Porzellanmanufaktur Ludwigsburg. Diese wurde 1824 geschlossen, die Hohlformen nach Regensburg und von dort dann nach Amberg weiterverkauft. Um 1914 sind nachweislich noch 97 dieser Modelle vorhanden, die heute verloren sind. Jedoch haben sich einige Steingut- und Porzellanausformungen dieser Ludwigsburger Modelle erhalten. Es handelt sich um Figuren von bekannten Modelleuren wie z. B. Domenico Ferretti, Christian Beyer, Pierre F. Lejeune und Joh. Heinrich Dannecker (18.-Anfang 19. Jh.).